Besuch beim Biolandhof Spliethofe in Senden  August 2018

  

Massentierhaltung, industrialisierte Fleischproduktion  - wie das häufig konkret aussieht, darüber war in letzter Zeit viel in Presse und TV zu erfahren.

 

Deutschland ist nach China und den USA der drittgrößte Schweinfleischproduzent der Welt, in 2015 wurden in Deutschland fast 60 Millionen Schweine geschlachtet. In Deutschland wird rund 20 % mehr Schweinefleisch produziert als verbraucht, es besteht ein Überangebot. Die Discounter unterbieten sich bei den Preisen für Fleisch, was meist billiger ist als Gemüse.

 

Der Preis für billiges Fleisch ist hoch:

 

-       Das billig produzierte Fleisch ist häufig mit Medikamentenrückständen belastet

 

-       Aufgrund der großen Anzahl von Tieren unter schlechten Haltungsbedingungen sind Antibiotikagaben an der Tagesordnung, häufig prophylaktisch und auch mit Reserveantibiotika – dadurch kommt es zum verstärkten Auftreten von resistenten Keimen, die für die gesamte Bevölkerung eine Gefährdung darstellen

 

-       Die große Menge anfallender Gülle führt zu Belastung unseres Grundwassers, was über die Notwendigkeit aufwändigerer Klärprozesse zu erhöhten Wasserpreisen führen wird

 

-       Der bei der Futterproduktion notwendige Einsatz von „Pflanzenschutzmitteln“ führt zum Insektensterben mit katastrophalen Auswirkungen für die Umwelt

 

 Von konventionell arbeitenden Landwirten bekommt man immer wieder zu hören, dass Großbetriebe, industrielle Massentierhaltung und Spezialisierung aus wirtschaftlichen Gründen alternativlos seien – nach dem Prinzip: „Wachsen oder Weichen.“

 

Wir Grüne sind davon überzeugt, dass es auch anders geht. Davon haben wir uns in unserer unmittelbaren Nähe bei einem kleinen Ausflug überzeugt: wir besuchten den Landwirt Jan Spliethofe in Senden, der seinen Hof vor kurzem auf „Bio“ umstellte.

 

Als er den Hof mit konventioneller Ferkelerzeugung übernahm, wurde er vom Ferkelabnehmer auch damit konfrontiert, dass er seine Produktion vergrößern müsse, um mit dem Abnehmer im Geschäft zu bleiben – oder er musste sich etwas anderes überlegen.

 

Das tat er, und stellt auf ökologische Schweineaufzucht um. Während er früher nur Ferkel produzierte, die dann zur Aufzucht an einen anderen Betrieb verkauft wurden, bleiben die Schweine nun von der Geburt bis zur Schlachtung auf dem Hof. Die Muttersauen leben mit den Ferkelchen in großen Boxen – nicht in Käfigen, die sie zur Bewegungslosigkeit zwingen wie in der konventionellen Haltung. Das von konventionell arbeitenden Landwirten häufig vorgebrachte Argument, dass die Muttersauen in engen Käfigen eingesperrt werden müssten, damit sie die Ferkel nicht erdrücken, kann Jan Spliethofe nicht nachvollziehen – das Problem tritt bei ihm nicht auf. Die Tiere werden auf Stroh gehalten und haben Auslauf – sie leben friedlich, Kannibalismus und Schwanzbeißen kommt nicht vor, daher werden auch keine Schwänze abgeschnitten. Selbstverständlich finden Kastrationen nur unter Vollnarkose statt. 

 


 

Kastrationen nur unter Vollnarkose statt. 

 

Jan Spliethofe hat eine Supermarktkette als Abnehmer, und er vermarktet sein Fleisch auch direkt – man kann vorbestellen und dann abholen.

 

Leider wird in unserem Land vom Schwein nur noch das edelste verkauft, alles was mager ist, Eisbein geht praktisch gar nicht mehr. In anderen Ländern ist das anders - in Frankreich wird alles vom  Tier vollständig verwertet. Eigentlich eine bedauerliche Entwicklung und Ausdruck davon, dass das Lebensmittel Tier keine ausreichende Wertschätzung mehr erfährt.

 

Angesichts der niedlichen Ferkelchen bei der Bauernhofbesichtigung könnte man auch darüber nachdenken, zum Vegetarier werden……zumindest ein bewußter Umgang mit Fleisch ist aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes und auch für die Gesundheit notwendig – vielleicht zurück zum „Sonntagsbraten“, statt „täglich Fleisch satt“…

 




Zur konventionellen Landwirtschaft in Deutschland: 

 

 

 

 

 

 

 

Ausführliche Hintergrundinformationen im Buch

von Dr. Anton Hofreiter


 

 

Massentierhaltung und ihre Folgen - ein Thema auch bei uns im Münsterland!

 

Aktuelle Information dazu bietet der "Fleischatlas" (Heinrich- Böll -Stiftung, BUND), 

über den folgenden link kommt man zum aktuellen "Fleischatlas":