Leserbrief zu dem Bericht über Klimaschutzaktivitäten  in den WN vom 23.02.2018

 

„Noch jede Menge Potential“

 

 

 

Viele Leser und Leserinnen des Berichtes über die Klimaschutzaktivitäten in Senden werden bei der Lektüre gedacht haben -  da passiert ja schon eine ganze Menge und prima dass sich unsere Klimaschutzmanagerin, Frau Volmerg, in der Sache so tatkräftig engagiert. Das alles ist auch hoch lobenswert, es darf andererseits aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns global gesehen wegen des Klimawandels  schon jetzt  in einer höchst bedrohlichen Lage befinden.

 

Daran erinnert jüngst wieder einer der bekanntesten, deutschen Klimaexperten  -  Prof. Volker Quaschning, HTW Berlin - der anlässlich der kreisweiten Klimaschutzwoche im letzten Herbst die Zuhörer in der Sendener Steverhalle  bereits darüber informiert hat, was in Sachen Klimaschutz eigentlich passieren müsste.  

 

Aus  seinem neuerlichen Weckruf veröffentlicht in der Zeitschrift „Erneuerbare Energien“ seien einige Kernaussagen zitiert, die sicher manchen Leser schockieren werden:

 

„Von den Klimaschutzbekenntnissen  aller Parteien bleiben bisher nur schöne Worte übrig, aber nicht einmal ansatzweise wird das Nötige dafür getan.

 

Nur ein radikales Stoppen der globalen Erwärmung kann noch katastrophale Klimaänderungen verhindern.

 

Setzen wir weiterhin fossile Energieträger ein, ist ein Temperaturanstieg von mehr als 4° C bis 5 °C möglich und ein Meeresspiegelanstieg von vielen Metern unausweichlich.

 

Ein Planet, auf dem langfristig möglicherweise ein Drittel der Menschen wegen veränderter klimatischer Bedingungen umsiedeln muss, dürfte apokalyptische Züge annehmen.

 

 Wir brauchen eine Umstellung auf  100% erneuerbare Energie in den nächsten 20 Jahren, nicht erst weit nach 2050

 

Wollten wir das Pariser 1,5-Grad-Ziel einhalten, müsste unsere Energieversorgung sogar schon den 2030er-Jahren vollständig kohlendioxidneutral sein.

 

Um das zu erreichen benötigen wir einen jährlichen  Zubau  von  15 GW Photovoltaik und von 6 GW Onshore – Windkraft, in der Realität haben wir in 2017 viel weniger, gerade mal 2 GW Photovoltaik geschafft.

 

Schon  2020 müssen wir uns von der Öl- und Gasheizung verabschieden  und 2025 steht ein Aus für den Verbrennungsmotor an.

 

Wir haben keine Zeit mehr die Menschen mit Klimaschutzlügen in Watte zu packen. Wir brauchen jetzt endlich viel mehr Menschen, die den Mut haben, Klartext zu reden und die nötigen Maßnahmen durchzusetzen“.

 

(Der vollständige Text ist unter dem Stichwort Prof. Quaschning im Internet nachlesbar)

 

Alle seriösen Klimaexperten sind sich einig, dass die Energiewende in Deutschland viel zu langsam voran kommt. Bedenkt man, dass jeder Mensch in NRW jährlich noch 14,4 Tonnen CO2 freisetzt, aber nur 2 Tonnen klimaverträglich sind, dann kann man sich vorstellen, welcher Energieumbau  noch zu bewältigen ist.

 

In der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses war man sich einig, dass die Arbeit an den Klimaschutzzielen gemeinsam, parteiübergreifend intensiviert werden soll. Zur Unterstützung der Klimaschutzmanagerin wird demnächst  in regelmäßigen Abständen zu einem Energietisch eingeladen.  Hier können interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Politikern und Fachleuten die weiteren Aktionen für den Klimaschutz in Senden diskutieren und planen. Die Ausschussmitglieder wurden aufgefordert  in Senden interessante Besichtigungsobjekte  ausfindig zu machen, die interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen einer Energietour bald vorgestellt werden.  

 

Angedacht ist auch die Teilnahme an einem Energie- Stromsparwettbewerb auf Kreisebene. Nach der Devise, welche Stadt oder Gemeinde reduziert prozentual seinen  Gesamtstromverbrauch am meisten, lässt sich eine Rankingtabelle erstellen. In 2016 wurden in Senden 64 Millionen KWh Strom verbraucht. Wenn wir Bürgerinnen und  Bürger in den Haushalten, in den Gewerbebetrieben, bei der Beleuchtung und den vielen sonstigen Stromfressern, mal gezielt nach Einsparmöglichkeiten suchen würden, ließen sich in Senden sicher leicht 6 Millionen KWh einsparen, das wäre immerhin die Leistung von 2 Windrädern.

 

Fazit: Wir alle müssen und können mehr für den Erhalt eines erträglichen Klimas tun.

 

 

 

Dr. Wilhelm Kraneburg

 

Am Helmerbach 12

 

Senden

 


 

Bürger nicht vom Recycling abhalten“       24.2.2017

 


Zur Berichterstattung über den Sendener Umweltpreis:

 


Auf dem Wertstoffhof in Senden können bürgerfreundlich große Mengen ausgedienter Gegenstände entsorgt werden. Aber oft sind darunter auch Objekte, die der eine oder andere noch gut gebrauchen könnte. Viele Bürger würden deshalb ihre noch verwertbaren Sachen gerne anderen überlassen. Zu diesem Recyclingzweck wurde vor Jahren die Fundgrube auf dem Wertstoffhof eingerichtet. Richtig einladend hat diese Einrichtung eigentlich wegen der restriktiven Handhabung nie gewirkt. In jüngerer Zeit wurde sie dazu noch dermaßen verkleinert, dass sie ihrer Funktion des Warenrücktausches nicht mehr gerecht wird. Ob und wie lange Gegenstände in der Fundgrube abgestellt werden dürfen, ist vom Wohlwollen der Remondis-Mitarbeiter abhängig und das kann sehr unterschiedlich ausfallen.

 


Wenn es der Gemeindeverwaltung gelingt, größere Mengen als bisher in den Stoffkreislauf zurückzuführen, dann steht ihr in diesem Jahr sicher ein Umweltpreis zu. Bürger dürfen nicht vom Recycling abgehalten, sondern sollten dazu eingeladen werden. Es ist dringend erforderlich, der Wegwerfgesellschaft Alternativen anzubieten.

 


Dr. Wilhelm Kraneburg
Ratsmitglied Die Grünen
Am Helmerbach 12
48308 Senden

 


 

Schaden für Haupt- und Realschule“      WN 15.2.2017

 


Zuschrift zum Bericht „Turbo Abi, nein danke !“ (WN vom 9. Februar):

 
Die Westfälischen Nachrichten haben über die Unterschriftenaktion für G9 berichtet. Im Rahmen dieser Berichterstattungen fehlte eine wichtige Information, die ich ergänzen möchte:

 
Die durch das Volksbegehren beabsichtigte Veränderung des Schulgesetzes sieht auch vor: „Der Pflichtunterricht für Schülerinnen und Schüler beträgt in der Sekundarstufe I maximal 180 Jahreswochenstunden.“ Das Volksbegehren will also nicht nur G9 am Gymnasium herbeiführen, sondern gleichzeitig den Unterricht an Haupt- und Realschule kürzen. Diese Schulformen haben aktuell maximal 188 Jahreswochenstunden zur Verfügung.

 
In einer Zeit, die von den Schulen vor Ort immer mehr erwartet, ist eine derartige Kürzung von fast fünf Prozent nicht hinnehmbar. Das Volksbegehren sieht vor, dass die Kürzung im Bereich der Ergänzungsstunden geschieht. Diese dienen primär der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern.

 
Wer das Volksbegehren mit seiner Unterschrift unterstützt, schadet gleichzeitig der Haupt- und der Realschule hier in Senden. Bündnis 90/Die Grünen wollen, dass Haupt- und Realschule hier in Senden weiterhin ihre gute Arbeit unter den gegebenen Bedingungen leisten können und lehnen die im Volksbegehren beabsichtigte Verschlechterung der Wochenstundenzahl ab.

 
Bündnis 90/Die Grünen haben nach vielen Diskussionsrunden in Düsseldorf ein flexibles Konzept für G9 am Gymnasium entwickelt. Andere Parteien haben sich ebenfalls für Veränderungen in Richtung G9 ausgesprochen. Das Volksbegehren ist absolut überflüssig.

 
Alois Brinkkötter

 


 

  

"Akute Bedrohung für Säuglinge"

 

Leserbrief (14.2.2017) zum Artikel "Segen, aber Skepsis (WN vom 11.2.2017)

 

In der Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses ging es am 9.2. in einem Tagesordnungspunkt darum, ob die Gemeinde ihr Einverständnis dazu geben will, dass in einem Schweinemastbetrieb in Gettrup die Anzahl der Sauen verdreifacht (von 526 auf 1686) werden soll. Es liegt auf der Hand, dass sich damit auch die Menge der anfallenden Auscheidungen, also der Gülle, verdreifacht.

 

Gülle ist die Ursache für eine erhöhte Nitratbelastung im Grundwasser – das dürfte ebenso bekannt sein, wie die Tatsache, dass Deutschland von der EU verklagt wurde, weil die Nitrat - Werte zu hoch sind und damit eine EU Richtlinie nicht eingehalten wird. Die Ursache dafür ist ein viel zu lascher Umgang mit Dünger und insbesondere die aufgrund der industrialisierten Landwirtschaft viel zu große Menge an anfallender Gülle.

 

In diesem Zusammenhang kann die in der WN zitierte Aussage von Josef Schulze Mönking (CDU) , dass "Senden nicht in einer Zone mit erhöhter Nitratbelastung liege", nicht unkommentiert stehen bleiben.

 

 

Je nach Bodenbeschaffenheit können 5-20 Jahre vergehen, bis die ausgebrachte Gülle sich im Grundwasser als Nitrat nachweisen läßt. Daher dürfen aktuell noch normale Mersswerte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch in Senden mit einer entsprechenden Verzögerung zu einer kritischen Nitratbelastung und entsprechenden Gefährdung des Grundwassers kommen wird, wenn mehr Gülle ausgebracht wird.

 

Inzwischen gibt es außerdem einen "Gülle" -Tourismus: aus Gebieten mit erhöhten Werten wird die Gülle in Gebiete mit noch normalen Werten auf die Felder verbracht.

 

Dann wird das jetzt häufig praktizierte Verfahren, dass Grundwasser mit zu hohem Nitratgehalt durch Beimischen von weniger belastetem Grundwasser verdünnt wird, auch nicht mehr funktionieren. Die Kosten dann notwendiger aufwendiger Verfahren der Grundwasserreinigung wird der Verbraucher tragen müssen.

 

Man kann nicht oft genug darauf hinweisen:

 

Nitrat wird im Körper zu Nitrit umgewandelt, dies zerstört den roten Blutfarbstoff, und kann insbesondere für Säuglinge akut bedrohlich werden. Darüberhinaus reagiert das Nitrit im Körper mit anderen Stoffen und führt so zur Bildung von krebserregenden Nitrosaminen.

 

Dr. med. Evelyn Stauch 

Wienkamp 22

48 308 Senden