Grüne Jugend 2007
Stuttgart 21
Leserbrief:
In Stuttgart geht's gar nicht um die Bahn!
Sigmar Gabriel hat unrecht, wenn er Stuttgart 21 als regionales Bahnprojekt bezeichnet. Glaubt man Angela Merkel, geht es um nicht mehr und nicht weniger als die Beschleu- nigung des Bahnverkehrs auf der Achse Paris - Wien (-Budapest). Auf dieser langen Strecke gibt es zwar noch so einige andere Engpässe, aber vielleicht steigt dann doch in zehn Jahren dieser oder jener nicht direkt ins Flugzeug, weil ja die Bahn rund um Stuttgart einige Minuten schneller geworden ist.
Die als Tüftler bekannten Schwaben haben erkannt, dass man denselben Effekt auch erreichen kann, wenn man die ICE-Züge von Kornwestheim kommend auf der vorhandenen Güterzugtrasse unter Umgehung des Hauptbahnhofs direkt im nebenan gelegenen Bahnhof Bad Cannstatt halten ließe, wo sie sowieso alle durchfahren. Denn das eigentliche Nadelöhr auf der Strecke nach Ulm ist nicht Stuttgart sondern die 50 Kilometer entfernte Geislinger Steige, steil und kurvenreich und mit nur maximal 70 km/h zu befahren. Dort einen längeren Tunnel mit moderater Steigung zu bauen, gäbe wirklich Sinn.
Statt dessen soll nun quer unter Stuttgart eine gigantische U-Bahn gebaut werden. Die geplante Tunnelstrecke hinauf zum Messegelände wird so steil, dass sie niemals von Güterzügen befahren werden könnte. Die müssen sich dann weiterhin wie seit mehr als hundert Jahren über die Geislinger Steige quälen und zumeist aufwändig nachschieben lassen. Unverständlich vor dem Hintergrund, dass die Bahn vor allem im Güterverkehr ihr Geld verdient. Und über die neue Trasse vom Flughafen ab entlang der A8 werden dann stündlich pro Richtung nur drei ICE-Züge fahren.
Dass dieser technische Unsinn nun auch noch einige Milliarden Euro teuerer kommen soll (Ende offen), hat die sparsamen Schwaben erst so richtig auf die Palme gebracht. Statt sich mit deren Argumenten auseinanderzusetzen, wurden sie von den Regierenden zunächst ignoriert, dann niedergeknüppelt und neuerdings als fortschrittsfeindlich verunglimpft. Und mit ihnen alle Menschen in Deutschland, die das viele Geld lieber für sinnvolle und wichtigere Bahnprojekte investiert sähen, z.B in die im europäischen Kontext enorm wichtige Oberrheinstrecke von Offenburg bis Basel. Nebenbei: Der zweigleisige Ausbau der IC-Strecke Münster – Lünen(Dortmund) wäre dagegen aus der sprichwörtlichen Portokasse zu finanzieren; die ist aber angeblich seit 40 Jahren leer.
Es ist somit mit Händen zu greifen, dass es den Initiatoren von Stuttgart 21 weder um die Bahn noch um bessere Bedingungen für den Schienenverkehr geht, sondern einzig und allein um lukrative Grundstücksgeschäfte innerhalb Stuttgarts.
- Erich Westendarp -
Energieverschwendung
Leserbrief zum Bericht „Klimaschutz wird teuer“
In der WN vom 18.Juni:
"Besser direkte Maßnahmen fördern!"
Ein „Konzept“ ist noch kein Klimaschutz.Jedes Kind weiß mittlerweile, das es beim Klimaschutz um zwei wesentliche Dinge geht
- Den Energieverbrauch wo immer es geht zu reduzieren (beim Heizen. Strom- und Spritverbrauch)
Die Energieerzeugung umzustellen auf die Regenerativen Energien (Sonne, Wind, Wasserkraft, Erdwärme).
Ich frage mich, was ein teures ausgefeiltes Klimaschutzkonzept bewirken soll, in einer Gemeinde wie Senden, in der die politisch Verantwortlichen seit Jahren, konkrete Maßnahmen zu den oben genannten Punkten verhindern.
Bei Planungs- und Bauprojekten steht die Förderung des motorisierten Individualverkehrs immer noch an erster Stelle. In der Bausatzung werden den Häuslebauern immer noch Dachneigungen und Überstände vorgeschrieben, aber nicht die Nutzung von solarthermischen Anlagen.
Die politische Mehrheit in Senden verhindert seit Jahren die Erzeugung von Klimafreundlichem Strom durch Windkraftanlagen und ist sehr zögerlich beim Ausbau der Solarenergienutzung.
Da die derzeitige Bundesregierung die Förderung des Klimaschutzes immer mehr reduziert,könnten die geplanten Gelder für ein solches Konzept besser zur Unterstützung der Leute eingesetzt werden, die ihre alten Oelheizungen ersetzen wollen. Das wäre eine effektive und schnelle Maßnahme zur Reduzierung der klimaschädlichen Gase.
Wolfgang Dropmann
Senden, 20.6.2010
Windkraftanlagen
Zu der Informationsveranstaltung mit Reiner Priggen erschien in der WN nachträglich ein Leserbrief (aus Lüdinghausen), in dem insbesondere behauptet wurde, bei Windflaute würden in Deutschland alle Lichter ausgehen. Dieser (absurden!) These wurde nachfolgend ebenfalls öffentlich widersprochen:
Lesebrief
Was Herr Hormann in seinem Beitrag vom 21.05.2010 beschwört ist das altbekannte Schreckensszenario der Windkraftgegner, das durch ständige Widerholung nicht schlüssiger wird. Grundsätzlich wird hierbei davon ausgegangen, dass unsere gesamte elektrische Energie ab morgen ausschließlich aus Windkraftanlagen stammen würde. Wenn dem so wäre, würden tatsächlich bei Flaute die Lichter ausgehen.
Jeder weiß, der Vorrat an fossilen Energieträgern aller Art ist endlich. Daran gemessen aber stand das Erdöl jahrzehntelang viel zu billig zur Verfügung und folgerichtig wurde es einfach verbrannt. Und es unterblieb auch die Forschung in die effektive Speicherung elektrischer Energie sowohl für stationäre als auch mobile Anwendungen. Auch darum schlagen wir uns namentlich im Winter noch immer mit Starterbatterien fürs Auto herum, deren Technologie aus der automobilen Steinzeit stammt.
Die Windkraft kann nicht von heute auf morgen alle konventionellen Kraftwerke ersetzen, dazu würden auch die technischen und finanziellen Ressourcen fehlen. Es geht vielmehr darum, einen schrittweisen Wechsel zu den erneuerbaren Energien einzuleiten, wobei parallel hierzu auch die Speichertechnologien - wie zum Beispiel Pumpspeicherwerke oder Pressluftspeicher sowie Batterietechniken - weiterentwickelt werden können. Zu diesem Themenkomplex gehört ebenso der Ausbau der Kraft-Wärme-Koppelung.
Das alles ist doch keine Glaubensfrage, sondern es geht darum, die Energieversorgung für die kommenden Generationen zukunftsfest zu machen. Wer dagegen ständig Horrorbilder an die Wand malt, setzt sich dem Verdacht aus, nur das Geschäft der Stromversorgungsmonopolisten zu betreiben.
Erich Westendarp
Klimaschutz
(Leserbrief)
Kein Grund zum Ausruhen
Weil uns die Verwaltung die Erstellung eines Klimaschutz- konzeptes und einer CO2-Bilanz fest zugesagt hat, haben wir unseren entsprechenden Antrag im Umweltausschuss zurückgestellt. Leider bedeutet die Zeitplanung der Verwaltung: Erst in 2011 kann mit der Umsetzung des dann erarbeiteten Klimakonzeptes begonnen werden. Wir fordern schon jetzt mehr Aktivitäten für den Klimaschutz in Senden. Wir meinen, die Auszeichnung mit dem Energy Award in Gold ist kein Grund zum Ausruhen, sie wurde inzwischen an 100 Kommunen in NRW verliehen, davon rund zehn Mal in Gold.
Dem dritten Punkt unseres Antrags, die Gemeinde möge das Klimaschutzziel der Bundesregierung übernehmen, wonach bis 2020 der CO2-Ausstoß um 40 Prozent reduziert werden soll, wollte sich die CDU-Mehrheitsfraktion auf keinen Fall anschließen. Sich Ziele zu setzen halten wir dagegen für äußerst hilfreich, auch wenn sie vielleicht nicht ganz erreicht werden. Auf jeden Fall mangelt es in Senden nicht an Aktionsfeldern zur Verringerung von CO2-Emissionen. So liegt die Gemeinde bei der regenerativen Stromerzeugung mit 7,47% weit unter dem Kreisdurchschnitt (20,5%) und Bundes- durchschnitt (16%).
Wegen der von der CDU-Mehrheitsfraktion auf 100 Meter festgelegten Höhenbegrenzung von Windkraftanlagen gibt es in Senden keinen Windstrom. Dabei könnte ein einziges 7,5-MW-Windrad fast alle Privathaushalte in der Gemeinde mit Ökostrom versorgen. Solare Erwärmung des Duschwassers in Sporthallen und Umkleiden scheitert seit Jahren an der CDU-Blockade. Und wie lange hat es gedauert, dass in Senden durch die Kommune mit der Förderung der Photovoltaik begonnen wurde.
Während in vielen Städten nur noch Niedrigenergie- und Passivhäuser errichtet werden dürfen, wird in Senden immer noch vorwiegend konventionell gebaut. Das riesige Energiesparpotential im Altbaubereich und bei veralteten Heizungskesseln und Nachtspeicherheizungen müsste durch eine effizientere Energieberatung und attraktive Förderung erschlossen werden.
Klimaschutz bedeutet gleichzeitig Wirtschaftsförderung. Und weil weil wir die Schreckensszenarien der Klimawissenschaftler für seriös halten, werden wir Grünen in Senden uns mit all unseren Kräften - jezt erst recht - für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einsetzen.
Dr. Wilhelm Kraneburg
Anneliese Pieper
Bündnis 90/Die Grünen
(erschienen am 16.12.2009
in der WN)
Leserinnenbrief
zur Pressemitteilung der CDU am 12.11.09 „Zukunft aktiv und umsichtig gestalten“.
Nennen Sie es wirklich „umsichtig“, Herr Röttger, die Gestaltung Sendens für sich und die CDU zu beanspruchen und sich dabei auf eine Mehrheit zu berufen, die Ihnen „die Sendener“ anvertraut haben, ohne zu bedenken und auszudrücken, wie knapp diese Mehrheit noch ist? Die andere Hälfte der Bürgerinnen und Bürger – und das mit zunehmender Tendenz – haben mit ihrer Wahl die Mitgestaltung der anderen Parteien gewünscht und mit Einfluss ausgestattet.
Und diesen Einfluss wollen die Oppositionsfraktionen in den Ausschüssen nutzen und mit Argumenten und Überzeugungskraft zu Lösungen beitragen, die auch den Willen der anderen Wählerinnen und Wähler einschließt.
Dabei haben sich SPD, Grüne und FDP darauf verständigt, keine Listenverbindungen einzugehen, die ihnen Zugriff auf die Ausschussvorsitze ermöglicht hätten, sondern sie hielten es für wichtiger, sich auf inhaltliche Arbeit und Beiträge in den Ausschüssen zu konzentrieren. Dabei muss man berücksichtigen, dass Ausschussvorsitzende sich im Argumentationsprozess zurückhalten sollen.
Alle Vereinbarungen aber - wie auch die Beschlüsse zur Art und Zuständigkeit der Ausschüsse und deren Größe – sind in der Fraktionsvorsitzendenrunde einvernehmlich vereinbart worden und auf „Gegenliebe“ der CDU-Fraktion getroffen.
Schade, Herr Röttger, dass Sie mit Ihrer Pressemitteilung in dieses Abkommen nachträglich einen falschen Zungenschlag eingebracht haben.
Anneliese Pieper
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen
(veröffentlicht in der WN, 14.11.2009)






